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3. Diagnose Krebs – der Umgang mit der Traurigkeit

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Gefühle zu haben, Traurig zu sein ist wichtig. Ihre Gefühle zuzulassen und wahrzunehmen, hilft Ihnen, besser mit der ganzen Situation umzugehen.
Natürlich ist es traurig, wenn ein Mensch, den wir lieben, an Krebs erkrankt. Und genauso ist es natürlich, wenn Sie dann immer wieder traurig sind. Aber vielleicht sind Sie unsicher, ob Sie zu viel oder zu wenig traurig sind, wie Sie mit Ihrer Traurigkeit am besten umgehen können.
Dann sind Sie heute in dieser Folge genau richtig.

Krebs-Diagnose: Meine Gefühle waren wie blockiert

Als mein damaliger Mann Micha damals an Darmkrebs erkrankt ist, habe ich nicht viel gefühlt. In mir war irgendwie alles blockiert, erst viel später, nach seinem Tod konnte ich die Traurigkeit rauslassen.
 
Nur zwischendurch, in ganz kleinen Momenten hab ich mir erlaubt, traurig zu sein.
 
Immer dann, wenn ich zu Anfang seiner Diagnose noch einmal in der Woche abends in die Heilpraktikerschule gefahren bin, konnte ich mir die Traurigkeit erlauben.
 
Am Anfang jedes Unterrichts gab es eine Art Austauschrunde, in der jeder Teilnehmer erzählen könnte, was ihn bewegt.
 
Ganz wichtig: Ohne unterbrochen zu werden. Man konnte einfach erzählen und die anderen haben aufmerksam und liebevoll zugehört.
In diesem Kreis habe ich mich voll angenommen gefühlt und konnte einfach von dem ganzen Scheiß erzählen.
Das waren dann die Minuten, in denen ich weinen konnte.
 
Wahrscheinlich hätte ich noch mehr weinen können, sollen, wer weiß. Damals war es mir nicht möglich und ich mache mir keine Vorwürfe.

Die Traurigkeit zu leben, ist gut und richtig

Heute weiß ich, dass Gefühle gelebt werden dürfen. Es ist gesund, sie wahrzunehmen und auszuleben. Gefühle sind ein wichtiger Bestandteil von Ihnen, die Sie ernst nehmen dürfen.

Aber wozu sind Gefühle eigentlich da?

Gefühle helfen Ihnen zu reagieren
In bestimmten Situationen müssen Sie schnell reagieren. Vielleicht werden Sie bedroht und haben Angst, vielleicht finden Sie einen Weg nicht und sind unsicher, oder Sie haben schon länger nichts gegessen und haben Hunger.
 
Diese und andere Gefühle helfen Ihnen, schnell und richtig zu reagieren.
Wenn Sie dann noch lange überlegen müssten, wäre es vielleicht zu spät.
 
Gefühle zeigen Ihnen Ihren Weg
Jeder Mensch hat Bedürfnisse (Sicherheit, Wachstum, Abwechslung, Erfolg, und ähnliches).
Sie haben Ihre eigenen Bedürfnisse, die sind bei jedem Menschen anders.
 
Wenn Sie etwas tun, was Ihren Bedürfnissen entspricht und Ihnen gut tut, fühlen Sie sich gut. Brauchen Sie zum Beispiel viel Struktur, macht es Ihnen Angst, wenn im Büro alles zusammenbricht.
Dafür freuen Sie sich wahrscheinlich umso mehr, wenn Sie einen wunderschönen, hochwertigen Planer zum Geburtstag geschenkt bekommen oder eine neue App entdecken.
 
So zeigen Ihnen Ihre Gefühle, ob Sie entsprechend Ihren Gefühlen handeln.
 
Gefühle zeigen uns unsere Bedürfnisse
Gefühle zeigen uns, was wir brauchen.
Sie sind wie kleine Cockpit-Lämpchen: Bei angenehmen Gefühlen leuchten die Lämpchen grün und zeigen uns, dass unsere Bedürfnisse gestillt sind. Bei unangenehmen Gefühlen leuchten die Lämpchen rot und zeigen uns, dass etwas nicht stimmt – also ein oder mehrere Bedürfnisse nicht gestillt sind (wie das Bedürfnis nach Sicherheit).
 
Gefühle motivieren uns
Gefühle motivieren uns zum Handeln. Wenn wir zum Beispiel eine gute Zeit mit Freunden haben, motiviert uns das. Sind wir wütend, weil sich jemand uns gegenüber unfreundlich verhält, wollen wir uns verteidigen.

Traurig zu sein, ist notwendig und hilfreich

Wenn ein Mensch, der Ihnen nahe steht Krebs hat, ist es normal, traurig und verzweifelt zu sein. Denn bei einer Krebserkrankung werden viele Bedürfnisse nicht mehr gestillt. Wahrscheinlich müssen Sie auch einige alte Gewohnheiten erstmal aufgeben, zum Beispiel gemeinsame Hobbies und Unternehmungen.
All dies gilt natürlich um so mehr, wenn abzusehen ist, dass der Krebs schon weit fortgeschritten und die Lebenszeit begrenzt ist.
 
Traurig zu sein ist ein notwendiger Prozess.
 
Das Ablösen ist oft schmerzhaft. Aber das bedeutet auch, sich für Neues öffnen und neue Wege beschreiten zu können.
Manche Angehörige berichten, dass sie durch die fehlende Sicherheit gelernt haben, das Leben nicht als Selbstverständlichkeit zu begreifen – sondern als etwas Kostbares.
 
Andere berichten, dass sie sich umso freier fühlen, je mehr sie es schaffen, die unsichere Situation anzunehmen und ihr Leben daran anzupassen

Wie können Sie sich in der Traurigkeit helfen?

  • Nehmen Sie die Traurigkeit als Ablösungsprozess wahr, der zwar schmerzlich, aber notwendig ist.
  • Erlauben Sie sich auch mal traurig zu sein Ob Sie es glauben oder nicht: Es ist okay, auch mal nicht okay zu sein. 
  • Seien Sie nicht zu streng zu sich. Etwas zu betrauern ist wichtig und benötigt viel Zeit. Wenn man traurig ist, schafft man es oft nicht, alle Aufgaben wie gewohnt zu erledigen. Das ist in Ordnung. Es muss auch nicht immer aufgeräumt sein; das interessiert wahrscheinlich außer Ihnen niemanden.
  • Nehmen Sie Unterstützung von Familie oder Freunden an oder bitten Sie darum. Dadurch fühlen Sie sich weniger hilflos.
  • Treffen Sie sich mit Menschen, die Ihnen guttun.
  • Versuchen Sie, sich viel zu bewegen und körperlich aktiv zu sein. An der frischen Luft hat dies einen doppelt positiven Effekt durch das Sonnenlicht. Wie wär`s mir Spazierengehen, Gartenarbeit, Walking, Schwimmen oder Radfahren.
  • Versuchen Sie, sich den Blick für kleine Verbesserungen, Fortschritte und schöne Dinge zu bewahren. Fangen Sie doch jetzt an, ein Dankbarkeitstagebuch zu führen.
  • Tun Sie alles, was Ihnen gut tut oder früher gut getan hat, auch wenn Sie gerade keine Lust darauf haben.
 
Ich hoffe, die Tipps, wie Sie mit Ihrer Traurigkeit besser umgehen können, helfen Ihnen!
Geben Sie sich die Zeit, die Sie dafür brauchen.
 
Ich freue mich sehr, wenn Sie meinen Podcast abonnieren, und auch bei der nächsten Folge wieder dabei sind. Lassen Sie es sich gut gehen – und das meine ich ganz genau so.
 
Liebe Grüße, Ihre Linda

Hier können Sie die dritte Folge von „Gemeinsam stärker – der Krebspodcast für Angehörige“ anhören:


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