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2. Krebsdiagnose mit 42 – plötzlich ist alles anders!

In der zweiten Folge von „Gemeinsam stärker – der Krebs-Podcast für Angehörige“ möchte ich Ihnen von mir erzählen, von meinem Weg, meiner Geschichte als Angehörige eines Krebspatienten. Damit ich nicht nur die Stimme am Mikro bin, sondern ich möchte, dass Sie mich persönlich ein bisschen besser kennenlernen.

Plötzlich war der Darmkrebs da

Als ich gerade 37 Jahre alt geworden bin, ist bei meinem damaligen Mann Micha Darmkrebs diagnostiziert worden. Er war 42 Jahre alt. Kein Alter, wie man so schön sagt…
 
Es gab vorher zwei Wochen mit krasser Verstopfung und zwei Besuchen in der Notaufnahme, bis er schließlich wegen am Darm operiert wurde.
Darmverschluss.
Dass der Darmverschluss durch den Tumor verursacht wurde, wussten wir da noch nicht.
 
Nach der OP stand fest: Micha hat Krebs. Ein Teil vom Darm wurde entfernt, die Gallenblase gleich mit. Metastasen gab es auch schon.
 
Während sich Micha sofort auf die Chemotherapie versteift hat, habe ich nach Alternativen gesucht.
Ich bin Heilpraktikerin und für mich ist die ganzheitliche Sicht wichtig.
Aber meine Vorschläge sind bei ihm nicht angekommen, also habe ich ihn gelassen.
 
Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder sein Leben lebt.
Wenn Micha die Chemo wollte, war das okay.

Die schwere Zeit der Chemotherapie

Die nächsten Monate von der Chemotherapie geprägt.
Erst ging es noch mit den Nebenwirkungen, dann wurde es schlimmer.
 
Ich habe von zuhause selbstständig gearbeitet und konnte mir zum Glück meine Zeit frei einteilen.
Also hab ich ihn zur Chemo gefahren und mich nach der Chemo um ihn gekümmert. Leider hat die Therapie nicht angeschlagen und der Krebs hat sich ausgebreitet. Also eine neue Operation.
Ich war auch dann natürlich jeden Tag im Krankenhaus, hab mich gekümmert. Anschließend zuhause war ich für ihn da. Dann gabs noch eine Operation, wieder jeden Tag ins Krankenhaus, danach die Pflege zuhause.

Erst der Schlaganfall, dann der Tod

Am schlimmsten war es, als Micha 8 Monate nach der Diagnose einen schweren Schlaganfall hatte. Ich bin abends nach Hause gekommen, habe ihn auf dem Boden liegend gefunden, halbseitig gelähmt, halluzinierend.
 
Da kam schnell der Zeitpunkt, dass mich die Ärzte ins Sprechzimmer geholt haben und mir gesagt haben, dass ich mich darauf einstellen soll, dass er sterben wird.

In den eigenen vier Wänden bis zum Tod gepflegt

Für mich stand sofort fest, dass ich Micha zum Sterben nach Hause hole. Auf keinen Fall sollte er im Krankenhaus sterben. Das Haus zuhause hatten wir erst 1,5 Jahre vorher gekauft und Micha hat es geliebt. Und er hat unsere beiden Hunde geliebt, die auch noch da waren.
 
Schnell hab ich ein Pflegebett und Pflegedienst organisiert, drei Tage später war er zuhause und ich habe mich gekümmert, die Verantwortung übernommen.
 
Drei Wochen später ist er gestorben.
 
Warum erzähle ich Ihnen das alles?
Weil es Ihnen im Moment wahrscheinlich ähnlich geht. Sie kümmern sich und suchen nach Therapien, machen und tun, und Ihr Mann steht für Sie an erster Stelle.
 
Das ist gut so.

Als Krebs-Angehörige: Achten Sie auf sich!

Aber genauso wichtig ist es, dass Sie sich im Auge behalten.
Ich habe das nie gemacht und war am Ende total fertig.
 
Heute denke ich anders. Wenn ich noch einmal in diese Situation kommen würde, würde ich mir Hilfe und Unterstützung für mich suchen.
 
Mal eine Stunde rauskönnen, vielleicht spazieren gehen im Wald oder mit einer Freundin im Café treffen. Oder einfach nur zwei Stunden Fernsehen gucken, während ein Freund aufpasst.
Oder vielleicht tatsächlich professionelle Begleitung einmal pro Woche in Anspruch nehmen, jemanden zum reden, der einfach da ist und nicht persönlich betroffen ist.
Wahrscheinlich würde ich schauen, ob ich einen Hospizplatz bekommen könnte.
 
All das hätte mir damals gut getan.
Aber soweit war ich noch nicht.
Ich hab mich total vernachlässigt.
War gar nicht mehr wichtig.
 
Natürlich ist es wichtig, sich um seinen schwerkranken Mann zu kümmern, aber an der einen oder anderen Stelle Selbstfürsorge einzustreuen, sollte nicht fehlen.
Sie sind es wert.

Was ich aus dem Krebs-Trauma gelernt habe

Ich hab tatsächlich ein paar Jahre gebraucht, um mich aus dem Krebstrauma der Überforderung zu befreien. Und auch jetzt, während ich diese Folge vorbereite, merke ich, dass noch immer nicht alles verarbeitet ist. Es gibt da immer noch Kleinigkeiten, die hochkommen.
 
Aber ich habe durch den Krebs von Micha gelernt, mich um mich zu kümmern, mich wertzuschätzen. Zwar erst hinterher, aber immerhin.
Es hat mir geholfen, auch heute in schweren Phasen, die natürlich immer mal wieder kommen, anders mit mir umzugehen.
 
Und wegen meiner eigenen Geschichte, meiner Erfahrung, wünsche ich Ihnen, dass Sie einen anderen Weg für sich finden, um damit besser umzugehen.
 
Das war`s auch schon für heute. Ich freue mich sehr, wenn Sie jetzt noch meinen Podcast abonnieren, und auch bei der nächsten Folge wieder dabei sind. Lassen Sie es sich gut gehen – und das meine ich ganz genau so.
Liebe Grüße, Ihre Linda

Hier können Sie die zweite Folge von „Gemeinsam stärker – der Krebspodcast für Angehörige“ anhören:

 


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